Carsten Vogel

Nerd 'n Noob.

Fall into Autumn: Die zehn besten Songs für den Herbst

Fall into Autumn with Bicycle

Gestern sind zehn Songs über Vögel gelandet, heute ziehen sie weiter – ganz wie es sich für Zugvögel im Herbst gehört. Zehn Songs, die nicht von Herbst reden, sondern sich einfach so anfühlen: sanftes Loslassen, warme Geborgenheit, klare kühle Luft. Sehr viel Melancholie. Aus gegebenem Anlass, Teil zwei. 🍂🍁

VAN MORRISON – Fair Play (Veedon Fleece, 1974)

Celtic Soul, Folk Rock, Singer-Songwriter: Musikalisch untermalt von sanftem Piano, akustischer Gitarre und einem warmen Bass, passt „Fair Play“ perfekt zur gedämpften Stimmung des Herbstes. Die getragene Melodie und Van Morrisons gefühlvoller Gesang erinnern an ruhige, etwas melancholische Herbsttage, an denen man spazieren geht, die Natur beobachtet und in Erinnerungen schwelgt. Die Zeile „Fair play to you / Killarney’s lakes are so blue“ verweist zudem auf die irische Landschaft, die im Herbst eine ganz besondere, raue Mystik entfaltet.

NICK CAVE – To Be by Your Side (Le Peuple migrateur OST, 2001)

Folk, Singer-Songwriter, Filmmusik: Das Lied passt durch seine ruhige, fast erhabene Instrumentierung und Nick Caves charakteristische, dunkle Stimme hervorragend in die Herbstzeit. Das Thema des stetigen Reisens und Ziehens spiegelt den Vogelflug im Herbst wider – ein zentrales Thema des Films, für den der Song geschrieben wurde. Es geht um Veränderung, Abschied und die Rückkehr ins Warme, Geborgene, wenn die Tage kälter werden. „Across the oceans, across the seas“ singt Cave, was das Gefühl einer langen Reise, passend zu den ziehenden Vögeln, verstärkt.

KRISTIN HERSH (feat. Michael Stipe) – Your Ghost (Hips and Makers, 1994)

Alternative Rock, Indie Folk, Singer-Songwriter: „Your Ghost“ fängt die dunklere Seite des Herbstes ein: Die kürzer werdenden Tage, die langen, kühlen Nächte und das Gefühl, dass sich die Welt nach innen kehrt. Die karge Instrumentierung und Kristin Hershs eindringliche Stimme (unterstützt durch die sanften Backing-Vocals von Michael Stipe) erzeugen eine fast gespenstische Atmosphäre. Es ist ein Song für stürmische Herbstabende, wenn man allein zu Hause ist und die eigenen Gedanken lauter werden als der Wind draußen. Der Song ist getrieben von einer rastlosen, fast unheimlichen Sehnsucht und Obsession. Es geht um den metaphorischen (oder wörtlichen) Geist einer vergangenen Beziehung, der einen nicht schlafen lässt. Die Stimmung ist beklemmend, melancholisch und gleichzeitig von einer rauen, akustischen Energie durchdrungen.

ELEMENT OF CRIME – Vier Stunden vor Elbe 1 (Damals hinterm Mond, 1991)

Chanson, Folk Rock, melancholischer Indie: Der Song ist durchzogen von einer rauen, melancholischen Romantik und einer gewissen Seefahrer-Tristesse. Er handelt von Abschied, Sehnsucht und der Vorahnung von Heimkehr oder Ankunft, verpackt in lakonische, norddeutsche Bilder. Es ist eine sehr reflektierte, leicht schwermütige, aber doch tröstliche Stimmung. Sven Regeners unverkennbar schnoddriger, tiefer Gesang und die melancholischen Trompeten- und Akkordeonklänge sind der Inbegriff musikalischer Herbsttage. „Vier Stunden vor Elbe 1“ (das Feuerschiff in der Nordsee) erinnert an grauen Himmel, rauen Wind an der Küste, Nieselregen und das Bedürfnis, sich in einen dicken Mantel zu hüllen. Es ist die perfekte musikalische Untermalung für einen Herbstspaziergang an einem stürmischen Tag.

LEONARD COHEN – Famous Blue Raincoat (Songs of Love and Hate, 1971)

Folk, Singer-Songwriter: Der Song ist eigentlich ein vorgelesener Brief. Cohen selbst singt direkt am Anfang: „It’s four in the morning, the end of December“. Auch wenn es textlich schon fast Winter ist, fängt der Song perfekt den späten Herbst ein. Wenn die Tage am kürzesten sind, das Wetter ungemütlich ist („New York is cold„) und man um vier Uhr morgens wach liegt und über Vergangenes grübelt. Die spärliche Begleitung und Cohens dunkle, sprechende Stimme wecken das Bild, wie man bei Nieselregen am Fenster steht, nach draußen starrt und – wie im Song – einen alten Brief schreibt oder alte Wunden betrachtet.

BIG THIEF – Change (Dragon New Warm Mountain I Believe in You, 2021)

Indie Folk, Singer-Songwriter: „Change“ passt sowohl musikalisch als auch inhaltlich perfekt zum Herbst. Der akustische, intime Sound (Gitarre und Adrianne Lenkers weiche Stimme) erinnert an gemütliche Nachmittage drinnen. Textlich vergleicht der Song Veränderung direkt mit der Natur: „Change, like the leaves, like a butterfly„. Der Herbst ist die Jahreszeit der sichtbarsten Veränderung, wenn die Blätter fallen und die Natur sich auf den Winter vorbereitet. Der Song fängt dieses Gefühl des loslassens und des Wandels auf eine sehr sanfte Art ein.

TINDERSTICKS – Another Night In (Curtains, 1997)

Chamber Pop, Indie Pop, Alternative: pure, elegante Melancholie. „Another Night In“ ist wie dafür gemacht, an einem verregneten Novemberabend gehört zu werden. Stuart Staples‘ tiefer, raunender Bariton und die feinen, kammermusikalischen Streicherarrangements fangen genau das Gefühl ein, wenn man an einem Herbstabend zu Hause bleibt („Another night in“), dem Regen ans Fenster prasseln hört und sich ganz der eigenen Schwermut hingibt. Staples beschreibt eine tiefe, fast schon resignierte Einsamkeit, die aber nicht schreiend oder wütend ist, sondern leise, kultiviert und in sich gekehrt. Es geht um die Unfähigkeit, aus der eigenen Isolation auszubrechen, verpackt in eine wehmütige, filmische Atmosphäre.

BETH GIBBONS & RUSTIN MAN – Mysteries (Out of Season, 2002)

Folk, Indie Pop, Singer-Songwriter: Der Albumtitel „Out of Season“ (Außerhalb der Saison) deutet es schon an: Die Musik passt in die Zeit, wenn der Sommer vorbei ist und die Welt stiller wird. Die spärliche, akustische Instrumentierung und die ätherische Atmosphäre von „Mysteries“ erinnern an neblige Herbstmorgen oder jene ruhigen, etwas tristen Tage im November, an denen man sich in Gedanken verliert. Es geht um die Geheimnisse des Lebens und eine tiefe, kontemplative Einsamkeit.

MAZZY STAR – Fade into you (So Tonight That I Might See, 1993)

Dream Pop, Alternative Rock, Neo-Psychedelia: Der Song ist traumhaft, verträumt und zutiefst melancholisch. Er beschreibt eine Liebe, die so intensiv und verzehrend ist, dass man sich im anderen verliert („Fade into you“), aber gleichzeitig von einer unüberwindbaren Distanz und Dunkelheit im anderen geprägt ist. Es ist eine schöne, aber schmerzhafte Sehnsucht. „Fade Into You“ klingt wie ein nebliger, kühler Herbstmorgen. Die schleppende, hypnotische Melodie, die Slide-Gitarre und Hope Sandovals gehauchte, fast gleichgültige Stimme erzeugen eine intime, entrückte Atmosphäre. Es ist Musik für Momente, in denen die Welt draußen grau ist und man sich in die eigenen Gedanken oder in die Erinnerung an eine verflossene Liebe zurückzieht.

NATALIE MERCHANT – Beloved Wife (Tigerlily, 1995)

Alternative Pop, Singer-Songwriter, Folk-Pop: Der Song ist herzzerreißend traurig, aber auf eine sehr intime, sanfte Art. Er handelt vom Verlust des geliebten Ehepartners nach vielen gemeinsamen Jahren. Es ist eine tiefe, persönliche Trauer, geprägt von Einsamkeit und der Frage, wie man nach so einem Verlust weiterleben soll. Der Herbst wird oft als Metapher für den Lebensabend und das Vergehen genutzt. „Beloved Wife“ fängt diese Vergänglichkeit ein. Die musikalische Untermalung ist sehr reduziert – das Klavier und Natalie Merchants einfühlsame Stimme stehen im Vordergrund. Diese Stille und Melancholie passen zu jenen dunkleren Herbsttagen, an denen man über das Leben, die Liebe und den Verlust nachdenkt.

Close, but not cigar:

THIS MORTAL COIL – Song to the Siren

GISBERT ZU KNYPHAUSEN – Grau, grau, grau

CAT POWER – The Greatest

COWBOY JUNKIES – Misguided Angel

MIDNIGHT CHOIR – Mercy of Maria

SUFJAN STEVENS – Futile Devices

ANGEL OLSEN – All Mirrors

BETH ORTON – Stolen Car

THE NATIONAL – I Need My Girl

JOLIE HOLLAND – Old Fashioned Morphine

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