Carsten Vogel

Nerd 'n Noob.

What a week, huh? #12

WaWh#12 - Indi(e)gen(i)us

Jeden Mittwoch stelle ich an dieser Stelle die drei Songs vor, die mich in der vergangenen Wochen am häufigsten begleitet, am meisten beeindruckt und dazu schwer begeistert haben.

Heute mal etwas andere und dem Wetter zugeschriebene Musik. Zunächst mit einer Live-Performance des Songs „Skicinuwihkuk“ von Jeremy Dutcher hier in der Trio-Version in Japan. Er ist ein klassisch ausgebildeter Operntenor, Pianist, Komponist und Aktivist, der den Wolastoqiyik (einer First Nation in Kanada) angehört.

Jeremy Dutcher besetzt eine absolut faszinierende musikalische Nische, die man am besten als Neoklassik, Indigenous Contemporary, experimentellen Pop oder Avantgarde-Folk bezeichnen kann. Er verwebt seine klassische Ausbildung (Klavier und Operngesang) meisterhaft mit den traditionellen indigenen Elementen und der Sprache seiner Vorfahren. In diesem Stück treffen reduzierte, fast schwebende Melodien und melancholische Streicher-Elemente auf seinen gewaltigen, ausdrucksstarken und kristallklaren Gesang.

Der Titel „Skicinuwihkuk“ stammt aus dem Wolastoqey, der Sprache seines Volkes, und bedeutet übersetzt „Indigenes Land“. Der Song ist ein sehr klares, kraftvolles Statement über Landhoheit und das indigene Erbe. Die zentrale Botschaft des Textes lautet sinngemäß: „Immer und ewig. Dies ist indigenes Land. Solange es ein Kind in unserem Volk gibt, werden wir dieses Land beschützen.“ Dutcher singt hier gleichermaßen zu Ehren seiner Vorfahren wie auch für die zukünftigen Generationen. Es geht um Resilienz, den Erhalt der eigenen Kultur und die tiefe Verbundenheit zur Erde.

Der zweite Song ist von Danielle Ponder, deren Album „Everything Has Changed“ Anfang des Monats erschienen ist. Danielle Ponder liefert mit diesem „Garden“ einen unglaublich atmosphärischen Mix aus Alternative R&B, modernem Soul und Blues. Der Song wird von einem schleppenden, leicht cineastischen Beat und einem sehr satten, tiefen Bass getragen, der dem Ganzen eine fast schon hypnotische Schwere verleiht. Das absolute Herzstück des Tracks ist aber ihre Stimme: voluminös, rau und mit einer gewaltigen Präsenz, die sofort an die großen Soul-Ikonen erinnert.

In „Garden“ geht es um eine tiefe, fast schon überwältigende Liebe, um absolute Hingabe und emotionale Verletzlichkeit. Ponder besingt das Verlangen nach einem Menschen, der sie in den dunkelsten Momenten auffängt, und eine Liebe, die sich wie ein sicherer Rückzugsort anfühlt – ein Garten eben. Die Zeilen drehen sich um die Sehnsucht nach jemandem, der wahre Rettung verspricht und bei dem man alle Schutzschilde fallen lassen kann, um sich völlig frei und beschützt zu fühlen. Wenn Danielle Ponder singt, spürt man Leidenschaft und Verletzlichkeit in jeder einzelnen Silbe, was unweigerlich für Gänsehaut sorgt.

Und zum Schluss für diesen Mittwoch: „California“ von Michael Kiwanuka. Michael Kiwanuka ist ein Meister darin, Retro-Vibes mit einem zeitlosen Sound zu verbinden. „California“ lässt sich am besten im Indie-Soul, Psychedelic Soul und Folk verorten. Der Track zeichnet sich durch ein extrem warmes, fast schon analog wirkendes Klangbild aus. Akustische Gitarren, schwebende Streicher und ein sanftes Schlagzeug bilden den perfekten Teppich für Kiwanukas unverwechselbare, leicht raue und unglaublich gefühlvolle Stimme.

Der Text behandelt eine tiefe innere Sehnsucht, das Gefühl des Verlorenseins und das Warten auf Erlösung. „California“ steht hier weniger für den realen Bundesstaat, sondern vielmehr für einen rettenden mentalen Sehnsuchtsort – einen Zufluchtsort, an dem alles besser wird. Kiwanuka singt über verblassende Träume, das Gefühl, schon viel zu lange von zu Hause weg zu sein, und den innigen Wunsch nach einer Liebe, die ihn festhält und ihm den Weg weist.

Obwohl der Text durchaus von Schmerz und Einsamkeit handelt, wirkt die musikalische Untermalung wie eine musikalische Umarmung – absolut tröstlich und beruhigend. Der Song ist auf dem am vergangenen Freitag veröffentlichen fünften Album von Kiwanuka zu finden. Die Aufnahmen entstanden vor seinem schweren Schlaganfall im Juli vergangenen Jahres. Gute Besserung und danke für ein wirklich wunderbares neues Album, Michael!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert