Carsten Vogel

Nerd 'n Noob.

What a week, huh? #11

WaWh#11 - Power

Jeden Mittwoch stelle ich an dieser Stelle die drei Songs vor, die mich in der vergangenen Wochen am häufigsten begleitet, am meisten beeindruckt und dazu schwer begeistert haben.

Wir gehen mal direkt in die Vollen: Post-Hardcore, gepaart mit Progressive Rock und Experimental Rock. Komplexe, aber durchaus einprägsame Gitarrenriffs von Matt Embree und treibende Drums von Chris Tsagakis, darüber die markanten, Vocals von Anthony Green (gerade neu für mich entdeckt): „The Maiden“ von The Sound of Animals Fighting. Der Titeltrack und Opener des 2025 erschienenen Comeback-Albums der Band. Der Song funktioniert als Prolog und führt die tragische Hauptfigur des Konzeptalbums ein – eine vom Schicksal schwer gezeichnete Protagonistin. Inhaltlich kratzt der Track an düsteren Themen: Es geht um Ungehorsam, die drückende Last von dunklen Geheimnissen und das metaphorische Ausharren an einem „zerbrochenen Altar“ umgeben von Monstern. Der Song ist ein absoluter Wechselbad-Trip. Er löst eine Mischung aus Unruhe, Melancholie und Energie aus. Die instrumentale Intensität sorgt für ein beklemmendes, fast schon klaustrophobisches Gefühl, als stünde man selbst mitten in einem Sturm. Der Song wühlt auf, lässt einen nicht ruhig sitzen und transportiert die Zerrissenheit der Protagonistin absolut spürbar direkt in den Kopfhörer.

Ein paar Gänge herunterschalten für den zweiten Song, „Where Is Gone?“ von Fontaines D.C. (featuring Rosalía). Eine hochspannende Kollaboration. Hier treffen musikalische Welten aufeinander, die sich erstaunlich gut ergänzen. Das Fundament bildet der gewohnt atmosphärische, lyrisch getriebene Post-Punk und Indie-Rock der Iren, der hier aber mit sehr gefühlvollen, fast schon cineastischen Texturen angereichert wird. Die Gesangsstrukturen und das Wechselspiel der Stimmen brechen den typischen Sound auf und geben dem Track eine experimentelle, genreübergreifende Note. Der Song taucht tief in die Themen Erinnerung, unumkehrbaren Verlust und den Umgang mit emotionalem Schmerz ein. Textlich kreist das Stück um das Festhalten an Bildern der Vergangenheit („the picture frame it shows your face„) und die harte Erkenntnis, dass ein Zurück zu alten Gefühlen ausgeschlossen ist („there’s no way I’m going back to how I feel„). Es geht um die fast schon zynische Dualität von Schmerz: Man verliert sich in Tagträumen und Erinnerungen („on a rainy day in my head„), muss aber feststellen, dass genau dieser Herzschmerz manchmal nötig ist, um überhaupt zu spüren, dass man existiert („to hurt you and make you feel alive„). Es fühlt sich an wie ein einsamer, nächtlicher Spaziergang durch den eigenen Kopf, bei dem man alte Narben abtastet. Der Song zieht einen tief in eine bittersüße, nachdenkliche Atmosphäre, die einen lange nicht loslässt.

Dritter und letzter Track für heute: „Kick Me“ von Starcrawler. Ein Mix aus Punkrock, Glam-Punk und dreckigem Garagen-Rock. Starcrawler aus Los Angeles bringen eine rotzige, ungefilterte Energie mit schrammelnden, stark verzerrten Gitarren und rasanten Beats. Frontfrau Arrow de Wilde erinnert dabei an 70er-Jahre-Rock à la Joan Jett. Thematisch dreht sich „Kick Me“ um das klassische Außenseiter-Motiv – symbolisiert durch den sprichwörtlichen „Kick Me“-Zettel, den man auf dem Schulhof heimlich auf den Rücken geklebt bekommt. Aber anstatt in Selbstmitleid oder eine Opferrolle zu verfallen, dreht der Song den Spieß komplett um. Es ist eine trotzige, rotzfreche Hymne von Freaks für Freaks, bei der der Außenseiterstatus zelebriert wird. Den Mobbern und Peinigern wird hier mit einem Augenzwinkern musikalisch der Mittelfinger ins Gesicht gestreckt.

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