Jeden Mittwoch stelle ich an dieser Stelle die drei Songs vor, die mich in der vergangenen Wochen am häufigsten begleitet, am meisten beeindruckt und dazu schwer begeistert haben.
Midwest-Emo: „No Halo“ von Sorority Noise ist ein sehr persönlicher und schwerer Song, der sich mit Trauer, Verlust und Depression auseinandersetzt. Frontsänger Cameron Boucher schrieb das Album nach dem tragischen Verlust zweier enger Freunde. Im Kern geht es um den Umgang mit diesem plötzlichen, sinnlosen Tod und die eigene emotionale Überforderung damit: „I didn’t show up to your funeral, but I showed up to your house„. Es geht um Schlaflosigkeit, Bewältigungsmechanismen, Schuldgefühlen und dem Kampf gegen das eigene psychische Chaos. Tiefe Traurigkeit und Isolation: Die leisen Strophen spiegeln die lähmende, depressive Phase der Trauer wider – das Gefühl, antriebslos zu sein und innerlich festzustecken. Man spürt die Verzweiflung und Frustration des Sängers über sich selbst, weil er das Gefühl hat, für seinen Freund nicht angemessen da gewesen zu sein. Wenn zum Ende des Songs die ganze Band mit voller Wucht einsetzt, wirkt das wie ein gewaltiger emotionaler und kathartischer Ausbruch. Die aufgestauten Gefühle bahnen sich lautstark ihren Weg, was trotz der schweren Thematik befreiend wirkt, da der Schmerz sich Bahn bricht.
Ein wegweisendes Meisterwerk des Shoegaze, das mich diese Woche verfolgt hat. „Only Shallow“ von My Bloody Valentine ist der Eröffnungstrack ihres ikonischen Albums Loveless aus dem Jahr 1991. Typisch für dieses Genre (und besonders für diesen Song) sind die sogenannten „Wall of Sound“-Gitarren: stark verzerrte Gitarrenklänge, die eine desorientierende, aber faszinierende Klanglandschaft erzeugen. Bilinda Butcher fragmentarische Lyrics, die oft traumartig oder halb im Schlaf gemurmelt wirken, entziehen sich m.E. einer eindeutigen Interpretation. Sie deuten Themen wie Intimität, Träume, Schlaf oder verwirrende emotionale Zustände an, aber so richtig weiß ich nicht wirklich, worum es hier geht. Aber sobald sie anfängt zu singen, wird die Musik fließend, hypnotisch und erzeugt das Gefühl, durch einen dichten Nebel oder einen lebhaften, verschwommenen Traum zu gleiten.
Modern Baseball: „Re-Do“ stammt vom Debütalbum Sports (2012). Der Wunsch nach einem Neustart: Wie der Titel schon sagt, sehnt sich der Sänger danach, alles auf null zu setzen („I want a complete re-do, maybe change my name„). Er möchte seinen Kopf von den negativen Stimmen und dem ständigen Grübeln befreien. Es geht auch ums Älterwerden. Eine sehr markante Zeile erinnert daran, dass man am Ende vergänglich ist und die eigenen Träume irgendwann mit der Zeit kollidieren („that your bones will dismantle and the dreams you had, they’ll collide with time„). Aber ein zentrales Motiv ist das Zerdenken der eigenen Situation. Die wiederkehrende Erkenntnis „I’m thinking way too much tonight“ fasst das Chaos im Kopf zusammen, das einen nachts wachhält.


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