Carsten Vogel

Nerd 'n Noob.

What a week, huh? #7

WaWh#7 - Nostalgia

Jeden Mittwoch stelle ich an dieser Stelle die drei Songs vor, die mich in der vergangenen Wochen am häufigsten begleitet, am meisten beeindruckt und dazu schwer begeistert haben.

Etwas andere Stimmung diese Woche, was sich in der Musik niederschlägt. Oder auch umgekehrt, vielleicht ist die Musikauswahl für die Stimmung zuständig? Der erste Song diese Woche ist von corto.alto (feat. Oscar Jerome). „Prayed We Would“ lässt sich dem Bereich des modernen, urbanen Jazz, Nu Jazz oder auch Jazz-Hop zuordnen. Er verbindet komplexe, groovige Jazz-Instrumentierung (besonders bemerkenswert sind die Bläser, typisch für corto.alto) mit Einflüssen aus Hip-Hop und Soul. Oscar Jerome bringt zudem starke Soul- und Neo-Soul-Vibes mit sich. Es ist ein sehr entspannter, aber gleichzeitig rhythmisch vertrackter Sound. Im Song scheint es um das Thema Erwachsenwerden, Erinnerungen an die Kindheit („this time I realize I’m grown up / young laying back in time“ und Familie („the families gathered around the table it’s just us“ zu gehen. Ich bin mir da nicht so sicher, weil es oft fragmentarisch bleibt. Viellicht ist das Thema auch emotionale Last, den Umgang mit Schmerz („push down on my pain“) und vielleicht um den Wunsch, jemanden zu beschützen oder für ihn da zu sein („i can hold you up this time„). Es scheint eine Reflexion über persönliche Entwicklung und familiäre Bindungen zu sein. Aber sicher bin ich mir nicht. Tatsächlich geht es auch eher darum, welche Gefühle der Song auszulösen vermag – eine eher nachdenkliche, nostalgische und leicht melancholische Stimmung. Gleichzeitig hat er durch den starken Groove eine tröstliche und wärmende Wirkung. Es ist ein sehr emotionaler und persönlicher Song, der aber nicht deprimierend, sondern hoffnungsvoll und reflektierend wirkt.

Der Titeltrack „DOOMED!“ von Open Mike Eagle & Kenny Segal, mit dem hübschen Untertitel: „Rap Songs About a Relationship That Ends in Every Possible Universe“. Alternative / Indie Hip-Hop: Der Beat von Kenny Segal ist düster und experimentell, dabei aber immer noch atmosphärisch. Open Mike Eagles rapped fast erzählend, wie ein Spoken-Word-Vortrag, auch sehr introspektiv. Der Song ist eine tiefe, fast schon deprimierende Reflexion über Trennungen und das Scheitern von Beziehungen. Er redet darüber, dass er mit seiner Therapeutin, mit Leuten, mit denen er nicht mal zusammen war, und sogar mit seinem Friseur Schluss gemacht hat („I broke up with my barber because that fool ghosted me„). Er sinniert darüber, dass all diese „Break-ups“ im Grunde „ass“ sind – also furchtbar und schmerzhaft. Er zieht Vergleiche zu ausweglosen Situationen und Videospielen („Doomed, snake bit, star crossed, cursed, ill-fated„) und erzählt am Ende davon, wie er alleine ins Kino gegangen ist („I saw Superman by myself…„), was die Einsamkeit nach einer Trennung unterstreicht. Alles klingt resigniert und ehrlich. Kein wütender Song (über eine Ex-Partnerin), sondern eher eine allgemeine Erschöpfung von der Schwierigkeit zwischenmenschlicher Beziehungen und den schmerzhaften Enden, die sie oft nehmen. Es hat etwas Tragikomisches, wie er selbst triviale Trennungen (wie vom Friseur) mit aufzählt, was die Schwere des Themas ein wenig bricht, aber die grundlegende Traurigkeit bleibt bestehen.

Der dritte Song ist „Leg Day“ von der australischen Band Surprise Chef. Surprise Chef spielen Instrumentalmusik, die sich am besten als „Cinematic Soul“, Funk oder auch Instrumental-Hip-Hop (im Stil von Produzenten wie J Dilla oder El Michels Affair, aber mit Live-Band) beschreiben lässt. Der Sound ist stark von den 70er Jahren inspiriert, sehr groovig, erdig und analog. „Leg Day“ baut auf einem hypnotischen Schlagzeug-Beat und einem markanten, leicht düsteren Bass-Lick auf, über das sich dann entspannte Keyboards und Gitarren legen. Die Stimmung ist „laid-back“, cool und ein wenig geheimnisvoll. Es hat den Vibe eines Soundtracks für einen coolen Heist-Movie oder einen alten Krimi. Der Groove ist „head-nodding“ und lädt eher zum entspannten Mitwippen ein. Es ist eine sehr atmosphärische Musik, die man gut im Hintergrund laufen lassen kann, die aber auch durch ihre Details und das starke Zusammenspiel der Musiker besticht.

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