Jeden Mittwoch stelle ich an dieser Stelle die drei Songs vor, die mich in der vergangenen Wochen am häufigsten begleitet, am meisten beeindruckt und dazu schwer begeistert haben.
„I Don’t Think About You At All“ von Angela Autumn. Ich starte mal mit Folk, Country und Americana, durchaus mit Bluegrass-Einflüssen, dazu Angela Autumns Gesang mit einem leicht nostalgischen Country-Twang. Inhaltlich ist es im Kern ein Trennungssong, aber mit einer interessanten Prise Selbstbetrug und Ironie. Es geht um den Versuch, über jemanden hinwegzukommen und ihn aus dem Kopf zu verbannen. Sie singt davon, dass sie in letzter Zeit viel geweint und an die Decke gestarrt hat, sich nun aber vornimmt, überhaupt nicht mehr an ihn zu denken. Gleichzeitig stellt sie fest, dass er ohnehin nicht das Zeug dazu hat, sie wirklich glücklich zu machen. Das Ironische daran: Genau dadurch, dass sie den ganzen Song über mantraartig wiederholt, dass sie nicht an ihn denkt, wird überdeutlich, dass er sie in Wahrheit noch sehr beschäftigt. Der Song lebt genau von diesem Kontrast: Der Text handelt von Herzschmerz, Lügen und dem Weinen, doch die Musik ist schwungvoll, treibend und fast schon fröhlich. Es ist weniger ein „Ich sitze weinend in der Ecke“-Song, sondern vielmehr eine empowernde, leicht trotzige Hymne über das Weitermachen. Bin gespannt auf ihr neues Album, „Believer“ erscheint am 11. September.
Mal etwas Indie-Pop / Indie-Rock: „Bastards“ von der Band People I’ve Met. Eine Gitarren-Riffs (oder wie wir in den 80er Jahren gesagt hätten: schmissig), eingängiger Bass. Der Gesang ist leicht kratzig, stellenweise rotzig, was wunderbar zu dem „britischen“ Indie-Sound passt. Auch hier haben wir wieder einen sehr reizvollen Kontrast: Textlich ist es zynisch, frustriert und leicht resigniert, aber die Musik ist mitunter schon energiegeladen. Der Song löst ein Gefühl von Zynismus, aber gepaart mit einer „Jetzt-erst-recht“-Energie aus. Er handelt vom chaotischen Dating-Leben, missverstandenen Gefühle und eine generelle Frustration über das soziale Umfeld. Der Sänger beschreibt Situationen, in denen er sich in Leute verliebt („her boyfriend thinks I’m in love with her, cause I probably am„), ie eigentlich gar nicht so gut zu ihm passen, und in denen Pläne nicht so laufen, wie sie sollen. Er ärgert sich darüber, dass die Leute seinen Schmerz ignorieren („when you see I’m bleeding, cause you’re bastards, all of you„). Es ist eine Art Abrechnung mit der Oberflächlichkeit der Leute und gleichzeitig das Eingeständnis eigener Verstrickungen. Und irgendwie ein wunderschöner Rundumschlag in Form einer kollektiven Beleidigung oder eine Sammelklage als Songform.
Und natürlich darf auch diese Woche Emo nicht fehlen, intensiv, gitarrenlastig und mit einer einer großartigen Laut-Leise-Dynamik: „I Tore You Apart In My Head“ von Balance and Composure. Inhaltlich sehr dunkel, aber auch sehr direkt. Sänger Jon Simmons verarbeitet darin eine tiefe Enttäuschung über eine Person (oft als familiäre Figur, Vater oder jemand aus dem engsten Umfeld interpretiert), die ihn im Stich gelassen oder verletzt hat. Er beschreibt, wie er sich in seinem Zimmer einschließt und diese Person in Gedanken regelrecht „auseinandernimmt“ („I tore you apart in my head“). Es geht um Verrat, Frustration, das Gefühl der Isolation und den Versuch, mit der unbändigen Wut auf jemanden umzugehen, der vermutlich selbst mit inneren Dämonen oder Abhängigkeiten kämpft. Das Lied ist pure Katharsis. Die rohen, fast schon geschrienen Passagen transportieren eine enorme, verzweifelte Wut, während die ruhigeren Instrumentalteile eine tiefe Verletzlichkeit und Resignation ausstrahlen. Er reißt einen emotional unweigerlich mit und löst eine Art befreiende Schwere aus.


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